An diese Stelle gehört eine Zäsur:
Ossip Klarwein wurde am 6. Februar 1893 in Warschau geboren
und verstarb in Jerusalem am 9. September 1970. 
Aufgrund seiner erkennbaren künstlerischen Begabung studierte Ossip Klarwein von 1917 bis 1919 Architektur an der Technischen Hochschule München, ohne einen formalen Hochschulabschluss als Diplom-Ingenieur zu erwerben. Im Jahr 1920 lernte er bei Hans Poelzig im 'Meisteratelier für Architektur' der Preußischen Akademie der Künste in Berlin. Ab 1921 arbeitete Klarwein im Architekturbüro von Fritz Höger in Hamburg; bald hatte er dort als Hauptentwurfsarchitekt eine leitende Funktion.
Högers Büro wuchs in diesen Jahren mit zunehmender Anzahl von Aufträgen personell erheblich an. Seiner Position als Angestellter entsprechend, wurden Klarweins Entwürfe in dieser Zeit stets unter Högers Namen veröffentlicht.
Über Ernst-Erik Pfannschmidt, einen ebenfalls angestellten Architektenkollegen Klarweins, und dessen Vater Ernst Christian Pfannschmidt gelangte Höger 1928 an den Auftrag, die Kirche am Hohenzollernplatz in Berlin-Wilmersdorf zu bauen. Höger hatte mit einem Plan Klarweins überzeugt, den Höger vertragsgemäß unter seinem Namen eingereicht hatte.
Klarweins späterer Freund, der Architekt Yehudah Lavie (geb. Ernst Loewisohn), bestätigte in einem Interview, dass diese Kirche ein Entwurf Klarweins war.
Kurz vor Baubeginn zog Klarwein nach Berlin-Halensee in die Joachim-Friedrich-Straße 47, nur wenige Kilometer von der Kirche entfernt. Seine damalige Anwesenheit in Berlin lässt vermuten, dass er diesen Bau auch betreute.
Bekanntermaßen diente sich Höger den Nationalsozialisten an. Weil Ossip Klarwein Jude war entließ ihn Fritz Höger schon vor der Machtübernahme zum 1. Januar 1933 mit mehreren Monaten Kündigungsfrist. Klarwein inserierte daher ein Stellengesuch in der Zeitschrift 'Bauwelt'.
Seinem Kollegen Carl Winand schrieb Höger in einem Brief am 21. März 1933 über Klarwein:
"Er ist ein ausgezeichneter Mitarbeiter, der kaum durch drei andere zu ersetzen ist. Er hat sich ausgezeichnet eingearbeitet und sich absolut in meinem Geist gefügt; sodass, wenn er später selbständiger Architekt sein wird, er ein wirklicher Höger-Ableger sein wird."
Der Antisemit Eugen Hönig, Präsident der Reichskammer der Bildenden Künste, schrieb der Reichskulturkammer am 19. Dezember 1934, dass bei Höger ausgerechnet ein Jude, nämlich Klarwein, alle Kirchen entwerfe, wie ihm Wilhelm Carl David Giese (1891–1939), ein Architekt in Hamburg zugetragen habe.
Dies nutzten einige Gegner Högers, um gegen ihn zu intrigieren.
Nach seiner Emigration wurde Ossip Klarwein einer der wichtigsten und einflussreichsten Architekten im neu gegründeten Staat Israel.
1957 entwarf er das israelische Parlamentsgebäude, die Knesset in Jerusalem.

Baubeginn

Am 31. Mai 1929 beantragt Höger die generelle Vorgenehmigung des Projekts bei der Baupolizei. Im Juli 1930 beginnen die Erd- und Fundamentarbeiten und am 30. September findet die feierliche Grundsteinlegung statt - der Grundstein findet sich im Vestibül des Großen Gemeindesaales. Im Juli/August 1931 beginnen die Innenarbeiten in der Kirche. Die Rohbauabnahme der Kirche wird am 12. Februar 1932 durchgeführt. Die Gebrauchsabnahme ist protokollarisch für den 9. März 1933 festgehalten. Schon dabei werden Mängel benannt, die den Bau noch Jahrzehnte später belasten: die einfachen Fenster im Gemeindesaal, die auf den Einsparwillen des Gemeindekirchenrats zurück- zuführen sind sowie ein nicht völlig abtrocknender Raum unter der großen Außentreppe.

Höger entwirft die Kirche auf dem verwinkelten Grundstück (2447qm), das nicht einfach zu bebauen war. Er nimmt die Situation des damaligen Hohenzollernplatzes ernst, gliedert seine Kirche als (dominante) Randbebauung, wobei das Gemeindehaus als ein Querriegel und das Pfarrhaus in der Nassauischen Straße zu stehen kommen. Es entsteht ein herausragendes Bauwerk, das in der Grundfläche des Hauptraumes (40m lang inklusive Altarraum; 14m breit, Ca. 2Om hoch) etwa die Maße des salomonischen Tempels (ca. 40m lang inklusive Vorhalle; über 10m breit; Ca. 18m hoch) aufnimmt. Die Betonung des Altarraums nimmt in christlicher Abwandlung Anleihe beim Allerheiligsten des Tempels in Jerusalem auf.

Der Turm kommt nach unterschiedlichen Überlegungen schließlich an den Sichtachsen von Fasanen- und Nikolsburger Straße, vom Hohenzollerndamm und der Düsseldorfer Straße sowie der Nassauischen Straße zu stehen. Er überragt mit seiner Höhe von 66m (inklusive Kreuz), von unten bis oben, leicht konisch Stein auf Stein gemauert, die umliegenden Häuser, die nach Berliner Traufhöhe, 22m hoch sind. Dieses Höhenmaß übernimmt der Architekt im Inneren der Kirche.

 

Fertigstellung der Kirche Am Hohenzollernplatz

Am Sonntag Oculi ( "Meine Augen sehen stets auf den Herrn", Psalm 25,15 ), dem 19. März 1933 wird Fritz Högers "Dom", die Kirche Am Hohenzollernplatz, in den Dienst genommen. Als Namen konnte sich Höger vorstellen: "Offenbarungskirche" oder  "Dom der Erlösung" oder "Auferstehungskirche", so sollte man diese meine Kirche taufen .... Ich könnte mir auch denken "Dom des deutschen Frühlings"."

Bei diesem Kirchbau hatte Höger nach eigenen Aussagen dahingehend gewirkt, "dass auch bei moderner Konstruktion in allersachlichster nackter Anwendung in gesteigertem Maße sakrale Wirkung und gigantische Raumwirkung sich ergibt. Ich habe hier ohne Zutaten und Extravaganzen nur einen schlichten, feierlichen Raum gestalten und konstruieren wollen ... Ich habe also bei den Spitzbogenformen gar nicht gotisieren wollen - im Gegenteil. Gotischen Geistes freilich sollte mein Bau sein, wie alle meine Bauten dieses innere Gepräge tragen." Dazu ist erhellend eine Notiz  im Protokollbuch des Gemeindekirchenrats, aus der klar wird, dass die Spitzbogen keine Ursprungsidee Högers sind. In ersten Entwürfen hatte er nämlich Rundbögen vorgesehen. Die aber erinnerten den GKR zu sehr an Industrie-Architektur, so meldete er hier ernste Einsprüche an, da dieser Entwurf "nach unserem Empfinden den sakralen Charakter eines gottesdienstlichen Raumes vermissen lässt." Höger ging es sehr um den sakralen Charakter seines Baus, die Kraft und Sammlung auch insbesondere im Inneren. "Wehe dem Baumeister, der beim Bau eines Gotteshauses, der höchsten Aufgabe, nicht in leidenschaftliche Begeisterung gerät, er sollte lieber nicht mehr "Baumeister" sein!"

Piergiacomo Bucciarelli, Architekturhistoriker und Biograf Fritz Högers urteilt:
"Höger will durchaus modern sein. Dennoch scheint er sich darum zu bemühen, eine Art Mittlerrolle zwischen den Ausdrucksfähigkeiten der modernen Architektursyntax und denen der traditionellen Materialien zu spielen. Rebellisch und gleichzeitig konservativ, Zeuge einer Epoche, die absolut zukunftsorientiert, aus vielerlei Gründen jedoch noch der Vergangenheit zugewandt bleibt, lehnt er die tröstliche Anmut des Jugendstils ab, obwohl er auch hier einige Anregungen übernimmt. In den Werken dieses individualistischen, romantischen, auf seine nordische und bäuerliche Herkunft stolzen Mannes, der sich stets auf dem schmalen Grat zwischen Kunst und Kitsch bewegt, wird das halbernste Schauspiel der bürgerlichen Moderne in Szene gesetzt."

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